Lipoprotein(a) - entscheidender Risikofaktor
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein fettähnliches Transportprotein im Blut. Ein hoher Wert erhöht unabhängig das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Gefäßverkalkung.
- Das Besondere
- Lp(a) ist überwiegend genetisch festgelegt und lebenslang relativ stabil – eine einmalige Messung genügt meist.
- Warum wichtig
- Lp(a) lässt sich kaum über Ernährung oder Lebensstil senken. Wer einen erhöhten Wert kennt, kann andere Risikofaktoren umso konsequenter angehen.
- Wann testen
- Einmal im Leben sinnvoll – besonders bei familiärer Herz-Kreislauf-Vorbelastung oder frühen Herzinfarkten in der Familie.
Referenzwerte zur Orientierung
Lp(a) wird in mg/dl oder nmol/l angegeben; die Umrechnung ist nicht exakt. Werte laborabhängig; sie ersetzen keine ärztliche Beurteilung.
Verwandte Werte und Themen
Lipoprotein(a)
Ein übersehener Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Bedeutung der Früherkennung
Warum sollte man Lipoprotein(a) messen?
Herzinfarkte und Schlaganfälle sind oft die Folge von Arterienverkalkung (Atherosklerose). Neben bekannten Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen und hohe LDL-Cholesterinwerte gibt es einen weiteren wichtigen, aber oft übersehenen Faktor: Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Dieser Blutwert wird selten routinemäßig bestimmt, spielt aber eine entscheidende Rolle bei der Früherkennung und Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Lp(a) ist ein erblich bedingter Faktor, dessen Werte weitgehend genetisch festgelegt sind und daher durch Ernährung oder Sport kaum beeinflusst werden können. Etwa 20 % der Bevölkerung haben erhöhte Lp(a)-Spiegel, oft ohne es zu wissen. Daher kann eine einmalige Messung helfen, ein erhöhtes Risiko frühzeitig zu erkennen.
Wie beeinflusst ein erhöhter Lp(a)-Wert das Herz-Kreislauf-Risiko?
Lp(a) ähnelt dem LDL-Cholesterin (dem sogenannten „schlechten“ Cholesterin), hat aber eine zusätzliche Eiweißkomponente: Apolipoprotein(a). Diese macht Lp(a) besonders gefährlich, da es:
- Ablagerungen in den Arterien fördert und die Bildung arteriosklerotischer Plaques beschleunigt.
- Entzündliche Prozesse verstärkt, die die Stabilität der Gefäßwände schwächen.
- Die Blutgerinnung beeinflusst, was das Risiko für Blutgerinnsel (Thrombosen) und damit für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöht.
Studien zeigen, dass ein Lp(a)-Spiegel über 50 mg/dl das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant erhöht. Werte über 180 mg/dl können das Risiko sogar vervielfachen – vergleichbar mit einer schweren Form der familiären Hypercholesterinämie.
Lp(a) als Marker für die Früherkennung
Da Lp(a) ein lebenslang konstanter Wert ist, reicht eine einmalige Messung aus, um das individuelle Risiko abzuschätzen. Besonders wichtig ist die Bestimmung für:
- Menschen mit ungeklärten Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie
- Patient:innen, die trotz guter LDL-Werte früh Herzinfarkte oder Schlaganfälle hatten
- Personen mit wiederholten Gefäßverschlüssen oder Aortenklappenverkalkung
Gerade bei jüngeren Patient:innen, bei denen keine klassischen Risikofaktoren vorliegen, kann ein erhöhter Lp(a)-Wert ein entscheidender Hinweis sein.
Gibt es Möglichkeiten, Lp(a) zu senken?
Da Lp(a) stark genetisch beeinflusst ist, sind Lebensstiländerungen allein nicht ausreichend, um den Wert zu senken. Klassische cholesterinsenkende Medikamente wie Statine zeigen keinen nennenswerten Effekt auf Lp(a). In der Forschung gibt es jedoch vielversprechende Ansätze:
- Neue Medikamente wie Pelacarsen (Antisense-Therapie) und Lepodisiran (siRNA-Therapie) senken Lp(a) gezielt um bis zu 80 %.
- Lipoprotein-Apherese wird in schweren Fällen bereits eingesetzt und kann Lp(a) mechanisch aus dem Blut filtern.
Häufige Fragen zu Lipoprotein(a)
Was ist Lipoprotein(a) (Lp(a))?
Lipoprotein(a) ist ein Blutfett aus der Familie der Lipoproteine und ähnelt dem bekannteren LDL-Cholesterin. Es besteht aus einem LDL-ähnlichen Partikel und einem zusätzlichen Eiweißbestandteil, dem Apolipoprotein(a). Ein dauerhaft hoher Lp(a)-Spiegel gilt als eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Warum ist ein hoher Lp(a)-Wert schädlich für Herz und Gefäße?
Ein erhöhter Lp(a)-Wert begünstigt die Arteriosklerose, also Ablagerungen und Verkalkungen in den Gefäßwänden, und fördert zusätzlich Entzündungs- und Gerinnungsprozesse. Dadurch kann das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen der Beine und eine Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) steigen. Lp(a) wirkt dabei unabhängig von anderen Blutfettwerten wie dem LDL-Cholesterin.
Ist Lp(a) ein eigenständiger Risikofaktor?
Ja. Ein hoher Lp(a)-Spiegel erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko unabhängig von klassischen Risikofaktoren wie LDL-Cholesterin, Bluthochdruck oder Rauchen. Bei deutlich erhöhten Werten kann das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall etwa zwei- bis dreifach gesteigert sein.
Wodurch wird die Höhe des Lp(a)-Werts bestimmt?
Die Höhe des Lp(a)-Spiegels ist zu etwa 80 bis 90 Prozent genetisch festgelegt und damit weitgehend angeboren. Ernährung, Bewegung, Gewicht oder der übrige Lebensstil haben nur einen sehr geringen Einfluss auf den Wert. Der Lp(a)-Spiegel bleibt im Laufe des Lebens meist relativ stabil.
Wie oft muss der Lp(a)-Wert gemessen werden?
Da der Wert genetisch bestimmt ist und sich über das Leben kaum verändert, reicht in der Regel eine einmalige Messung im Leben aus. Eine Wiederholung kann in Einzelfällen sinnvoll sein, etwa zur Bestätigung eines Ergebnisses oder bei bestimmten Erkrankungen. Die Einordnung des Ergebnisses sollte immer ärztlich erfolgen.
Ab welchem Wert gilt Lp(a) als erhöht?
Lp(a) wird entweder in mg/dl oder in nmol/l angegeben; beide Einheiten lassen sich nicht mit einem festen Faktor ineinander umrechnen. Häufig gelten Werte oberhalb von etwa 50 mg/dl beziehungsweise rund 125 nmol/l als deutlich erhöht und mit einem klar gesteigerten Herz-Kreislauf-Risiko verbunden, während niedrigere Bereiche als grenzwertig eingestuft werden können. Maßgeblich sind immer der Referenzbereich des Labors und die ärztliche Einordnung Ihres persönlichen Gesamtrisikos.
Für wen ist eine Bestimmung des Lp(a)-Werts besonders sinnvoll?
Eine Messung kann vor allem für Menschen sinnvoll sein, in deren Familie früh Herzinfarkte, Schlaganfälle oder andere Gefäßerkrankungen aufgetreten sind, sowie für Personen mit bereits bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung oder unklar hohem Risiko. Fachgesellschaften empfehlen zunehmend, den Lp(a)-Wert mindestens einmal im Leben zu bestimmen. Ob und wann eine Messung für Sie infrage kommt, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Was kann ich bei einem erhöhten Lp(a)-Wert tun?
Lp(a) selbst lässt sich derzeit durch den Lebensstil oder die üblichen cholesterinsenkenden Medikamente kaum beeinflussen. Umso wichtiger ist es, alle anderen beeinflussbaren Risikofaktoren konsequent zu senken, etwa LDL-Cholesterin, Blutdruck, Blutzucker, Rauchen und Übergewicht. Speziell Lp(a)-senkende Medikamente werden derzeit in Studien untersucht, sind aber noch nicht allgemein zugelassen; bei sehr hohen Werten kann in Einzelfällen eine Lipidapherese (Blutwäsche) erwogen werden.
Geprüfte Quellen zum Thema
- Deutsche Herzstiftung – Lipoprotein(a): Was ein hoher Lp(a)-Wert bedeutet
- Deutsche Herzstiftung – Welche Rolle spielt Lipoprotein(a) bei Atherosklerose?
- Deutsche Herzstiftung – Erhöhten Lipoprotein-Wert senken
- Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) – Genetik der Aortenklappenstenose: Lipoprotein(a) ein Risikogen?
- Universitätsklinikum Leipzig – Patienteninformation Lipoprotein(a) (DACH-Gesellschaft)
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Fazit: Lp(a) messen – Ein einfacher Test mit großer Aussagekraft
Obwohl Lp(a) ein unterschätzter Risikofaktor ist, kann eine frühzeitige Bestimmung Leben retten. Wer sein persönliches Risiko kennt, kann gezielt vorbeugen und mit Ärzt:innen über geeignete Maßnahmen sprechen. Eine einfache Blutuntersuchung reicht aus, um Klarheit zu schaffen – insbesondere für Menschen mit familiärer Vorbelastung oder unklaren kardiovaskulären Ereignissen.
Mehr Informationen zu Lp(a) und aktuellen Forschungsergebnissen gibt es u. a. bei der Deutschen Herzstiftung (herzstiftung.de) und in Fachpublikationen wie Trillium Diagnostik (trillium.de).



